Dresdner Premieren und Previews
Coming of Age – Erwachsenwerden in Osteuropa
Sonderveranstaltungen
Kinder-/Familienfilme
Gott existiert, ihr Name ist Petrunija
(Gospod postoi, imeto i‘ e Petrunija)
  Nord-Mazedonien/Slowenien/Kroatien 2019, 100 min, OmU, Regie: Teona Strugar Mitevska

Eröffnungsfilm – präsentiert von der Ostsächsischen Sparkasse Dresden

„Sag ihnen, du bist 24!“, rät die Mutter, als ihre Tochter wieder einmal zu einem Vorstellungsgespräch geht. Doch Petrunija ist 31 und hat dazu noch eine Wissenschaft studiert, die in Mazedonien niemand braucht: Geschichte. So sitzt sie vor dem potenziellen Arbeitgeber, einem Fabrikbesitzer, der von oben herab auf ihr geblümtes Kleid schaut und sie nicht ernst nimmt. Auf dem Heimweg – den Job hat sie natürlich nicht bekommen – springt Petrunija ins kalte Wasser. Es ist Dreikönigstag, und wie jedes Jahr tauchen die jungen Männer der Stadt nach dem heiligen Kreuz, das der Priester in den eisigen Fluss wirft. Doch diesmal ist Petrunija die schnellste und hält die Trophäe in die TV-Kameras. Sie wird das Kreuz verteidigen, einen Tag und eine Nacht lang, begleitet von öffentlicher Empörung und gegen die geballte Männerwelt.

Teona Strugar Mitevska präsentiert eine Satire zwischen Zorn und Melancholie, die nach dem Stand demokratischer Veränderungen in der mazedonischen Gesellschaft fragt und den Vertretern von Kirche, Justiz und Medien ein kritisches Zeugnis ausstellt. Die Sympathie des Films gehört der liebenswerten Titelheldin, die sich entschlossen gegen archaische Traditionen behauptet – ungekünstelt, schwach, stark. Gut getroffen!

Regisseurin Teona Strugar Mitevska ist zur Aufführung am 9.11. anwesend!

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Land des Honigs
(Honeyland)
  Nord-Mazedonien 2019, 85 min, OmU, Regie: Tamara Kotevska, Ljubomir Stefanov

In einem mazedonischen Dorf steigt die etwa 50jährige Hatidze täglich einen Berghang hinauf zu ihren Bienenvölkern. Ohne Gesichts- oder Handschutz entnimmt sie die Honigwaben und singt ein uraltes Lied. Zurück auf ihrem Bauernhof kümmert sich Hatidze um ihre handgemachten Bienenkörbe und ihre bettlägerige Mutter. Gelegentlich fährt sie in die Hauptstadt, um ihren Honig und die Körbe zu verkaufen. Eines Tages lässt sich eine Nomadenfamilie auf dem Nachbargrundstück nieder und in ihr beschauliches Reich ziehen knatternde Motoren, 7 lebhafte Kinder und 150 Kühe ein. Hatidze freut sich über die neue Gesellschaft. Doch bald trifft deren Oberhaupt Entscheidungen, die Hatidzes Lebensweise für immer zerstören könnten.
Der Dokumentarfilm „Land des Honigs“ erzählt eine grandiose und wahrhaftige Naturgeschichte. Mit den Mitteln filmischer Poesie stellen die Regisseure die Bienen ins Epizentrum eines fundamentalen Widerspruchs unserer Zeit. „Land des Honigs“ spürt den Veränderungen in der Beziehung zwischen Mensch und Bienen und damit der Veränderung unserer Welt nach.

am 09.11. 15:00 Uhr   mit einem Einführungsvortrag
Im Anschluss an den Film:
Gespräch mit Marion Loeper,
Bienenschwarmbeauftragte des Imkerverein Dresden e.V. und der Stadt Dresden
sowie Honigverkostung und -verkauf

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Klerus
(Kler)
  Polen 2018, 133 min, OmU, Regie: Wojciech Smarzowski

„Klerus“ ist der meistgesehene polnische Film der letzten Jahre und löste eine hitzige Debatte über die Rolle des Klerus in der Geschichte und Gegenwart Polens aus.
Drei befreundete Priester hat es an unterschiedliche Orte in Polen verschlagen. Sie alle führen Doppelleben, die nicht im Einklang mit den Moralvorstellungen der katholischen Kirche stehen. Der karrierebewusste und korrupte Lisowski arbeitet für die Kurie in einer Großstadt und träumt von einer Stellung im Vatikan. Sein zuständiger Bischof steht dieser Versetzung jedoch im Weg. Trybus ist Pfarrer auf dem Land, predigt öffentlich von Moral, ist jedoch dem Alkohol verfallen, bereichert sich an den Spenden der Gläubigen und hat eine Beziehung mit seiner jungen Haushälterin. Kukuła lebt in einer Stadt, ist streng dem Glauben verfallen und engagiert sich für das Wohl von Jugendlichen. Das Vertrauen in ihn schwindet, als ihm Pädophilie unterstellt wird und einer seiner Messdiener einen Suizidversuch unternimmt.
Von der ersten Minute an demontiert das intensive Drama die Vorstellung von Ordnung und Moral, folgt seinen Protagonisten, die sich tiefer und tiefer in Verfehlungen, Vertuschung und Bestechlichkeit verstricken, bis es keinen (einfachen) Ausweg mehr für sie gibt.

In Zusammenarbeit mit dem Polnischen Institut Berlin – Filiale Leipzig

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Wochenendhaus zu verkaufen
(Chata na prodej)
Tschechien 2018, 77 min, OmU, Regie: Tomáš Pavlíček

Die neuen Käufer stehen schon am Zaun und schmieden Pläne. Doch bevor die alten Besitzer ihr Wochenendhäuschen wirklich verkaufen, soll dort die gesamte Familie – Großeltern, Eltern und die erwachsenen Kinder mit ihren Partnern – noch ein letztes Mal zusammentreffen. So entscheidet es die Mutter, auch gegen anfänglichen Widerstand. Sie will die Erinnerungen an die Zeiten in ihrer irgendwie hassgeliebten Datscha noch einmal aufleben lassen.
Der Ausflug entwickelt sich bereits bei der Hinfahrt zu einem turbulenten Abenteuer, bei dem es ordentlich in der Familienkonstellation knirscht. Die Hoffnung auf ein idyllisches Wochenende in der Abgeschiedenheit am Waldrand zerschlägt sich schnell – wir werden Teil einer aufgeweckten, leicht verschrobenen Familie, die miteinander lacht, streitet und leidet. Am Ende wird sie sich wieder ein wenig nähergekommen sein.
Die von sicherem Timing, beschwingter Musik und großer Leichtigkeit geprägte Ensemble-Komödie erinnert an die frühen Filme von Miloš Forman und wirft einen augenzwinkernden Blick auf die tschechische Vorliebe für Wochenenden auf dem Land. Ein Film, nah dran an seinen Figuren und am Leben.

Deutsche Untertitelung: KinoFabrik e.V. mit Unterstützung des Filmfest Neiße

In Zusammenarbeit mit den Tschechisch-Deutschen Kulturtagen Dresden 2019

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Donbass.Grenzgebiet
(Донбасс.Окраина)
  Russland 2019, 96 min, OmU, Regie: Renat Dawletjarow

Donezk in der Ostukraine im August des Jahres 2014. In Folge der Krim-Krise und den Maidan-Protesten, tobt seit einem halben Jahr ein offener Krieg, der bereits unzählige Opfer forderte.
Der junge Andrej, Soldat der ukrainischen Armee, flüchtet sich unter Beschuss in den Keller eines evakuierten Hauses und trifft dort auf Menschen von unterschiedlichstem Charakter und verschiedenen politischen Positionen. Neben Misstrauen, Anfeindungen, Lügen und grundsätzlichen Fragen nach Menschlichkeit, eint sie alle die Hoffnung auf ein schnelles Ende des Krieges.
Regisseur Renat Dawletjarow inszeniert dieses, nach wie vor aktuelle, politische Thema auf hochsensible Art und bewegt sich dabei zwischen klar abgrenzbaren Filmgenres. So ist „Donbass. Grenzgebiet“ ein Antikriegsfilm der Gegenwart, bewegendes Drama, komplexes Gesellschaftsbild und auch noch spannend bis zum Schluss. Stellenweise einem psychologischen Kammerspiel gleichend mit vielschichtigen Dialogen, wird die Handlung durch Szenen unterbrochen, die das Publikum immer wieder auf falsche Fährten leitet.
Im Mittelpunkt steht die Menschlichkeit im Angesicht des Krieges, sowie, aus humanistischer Sicht, die Frage nach dem Sinn des leider immer noch andauernden bewaffneten Konfliktes zwischen Russland und der Ukraine.

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Begnadigung
(Ułaskawienie)
  Polen/Tschechien/Slowakei 2018, 100 min, OmU, Regie: Jan Jakub Kolski

Hanka und Jakub sind ein eigenwilliges Paar. Die beiden scheinen nicht wie füreinander geschaffen und sind doch unzertrennlich. Sie haben gerade ihren Sohn verloren, der als sogenannter verfemter Soldat nach dem Zweiten Weltkrieg im Untergrund die Kommunisten bekämpfte und vom Geheimdienst erschossen wurde. Gegen alle Vernunft treffen sie eine dramatische Entscheidung. Sie wollen ihn heimlich in den hunderte Kilometer entfernten Karpaten beisetzen. Eine kreuzgefährliche Reise durch das Nachkriegschaos beginnt, in der es nicht nur um Überleben und Ankommen geht, sondern auch um die Wahrung der menschlichen Würde in Zeiten, in denen ein Menschenleben nicht viel wert ist.
Kolski ist einer der profiliertesten Autorenfilmer Polens und war vor zwei Jahren bereits mit seiner Aussteigergeschichte „4 Uhr morgens im Wald“ in unserem Programm. Seine Spezialdisziplin sind kleine, auf den ersten Blick unspektakuläre, parabelhafte Geschichten, die sich in der Provinz abspielen und gelegentlich autobiografische Züge tragen – genau wie „Ułaskawienie“.
Der Regisseur entführt uns nach Popielawy, ca. 30 Kilometer südöstlich von Łódź gelegen, wo er bei seinen Großeltern seine Kindheit verbrachte. Sie sind die Helden seiner ungewöhnlichen Reise.

In Zusammenarbeit mit dem Polnischen Institut Berlin – Filiale Leipzig

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La Gomera
(The Whistlers)
  Rumänien/Frankreich 2019, 97 min, OmU, Regie: Corneliu Porumboiu

Der Polizist Cristi lässt sich mit der Mafia ein und fliegt auf. Nun wird er auf Schritt und Tritt von verdeckten Ermittlern überwacht und seine Wohnung abgehört. Zur weiteren Kommunikation mit der kriminellen Bande wird er daher zu einer Reise nach La Gomera gedrängt, um dort die geheime Pfeifsprache der Inselbewohner zu lernen. El Silbo, die real existierende Pfeifsprache der kanarischen Inseln, ist allerdings alles andere als einfach, da sie viele Zisch- und Spuck-Laute enthält. Pfeifend versucht die Bande den Matratzenfabrikanten Zsolt aus dem Gefängnis zu befreien, denn der ist der einzige, der weiß, wo die 30 Millionen des letzten Coups versteckt sind. Doch alle Beteiligten spielen ein doppeltes Spiel und bald geraten die Ereignisse außer Kontrolle.
Der preisgekrönte Regisseur Corneliu Porumboiu gilt als einer der Wegbereiter des neuen rumänischen Kinos. In „La Gomera“ finden sich Elemente des Film Noir, eine verführerische Femme fatale und korrupte Polizisten, auch ironische Filmzitate aus „Psycho“ und „Die Spur des Falken“. Mit seinen charmanten Gangstern und unerwartet komischen Momenten, ist der wendungsreiche Film eine überaus unterhaltsame Krimikomödie der besonderen Art.
Entstanden in Koproduktion mit Komplizen Film („Toni Erdmann“) sorgte der Film bereits im diesjährigen Wettbewerb von Cannes für Aufruhr.

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Das Wunder im Meer von Sargasso
(To thávma tis thálassas ton Sargassón)
  Griechenland/Deutschland 2019, 121 min, OmU, Regie: Syllas Tzoumerkas

Elisabeth ist Polizeichefin im griechischen Küstenstädtchen Mesolongi. Wenn sie spricht, klingt es wie wütendes Bellen. Sie trinkt zuviel, flucht permanent und schläft mit einem verheirateten Arzt. Die Versetzung aus Athen in das kleine Fischerdorf vor zehn Jahren macht ihr immer noch zu schaffen. Die Fabrikarbeiterin Rita stammt aus dem Ort, ihr Bruder ist eine lokale Szenegröße. Bei seinen Club-Auftritten holt er sie manchmal auf die Bühne. Doch auch Rita ist zutiefst unzufrieden. Ihr Leben ist ein ständiges Pendeln zwischen Kämpfen und Aufgeben. Als ein Tod das ohnehin brüchige Beziehungsnetz der Dorfbewohner zerreißt, zeigt sich, dass die darunterliegende Struktur noch kaputter ist.
Wunder sucht man in dem kleinen Ort mit großer Vergangenheit im Westen Griechenlands vergebens. Über das einzige Wunder, das von hier ausgeht, informiert eine Wissenschaftssendung: Die Aale, die in der örtlichen Lagune leben, gehen wie ihre Artgenossen auf eine mehr als einjährige Wanderschaft, die in die Sargassosee nahe der Bahamas führt. Solch ein Ausweg ist den Protagonistinnen des Films nicht gegeben.
Der Film bietet mit Elisabeth eine ungewöhnliche Polizistinnenfigur. Sie ist sperrig, frustriert und ungnädig – kaum zu ertragen. Das fulminante Spiel und die überraschende, schockierende Story generieren in dem Film einen mit Aalen garnierten Provinzalbtraum.

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Spacewalker
(Время первых)
  Russland 2017, 137 min, OmU, Regie: Dmitriy Kiselev

Im Zuge des Kalten Krieges entspinnt sich ein Wettrennen zwischen den USA und der UdSSR, um den Kosmos zu erschließen. Die UdSSR scheint 1965 ihren Vorsprung weiter auszubauen, doch zwei Wochen vor dem geplanten Start einer Mission für den ersten Weltraumspaziergang eines Menschen explodiert das Testraumschiff. Zeit, die Gründe dafür ausfindig zu machen, gibt es nicht. Das Schicksal der russischen Raumfahrt liegt nun in den Händen der Piloten Pawel Beljajew und Alexei Leonov. Sie sind bereit, für ihre Nation Heldenstatus zu erringen, doch längst sind noch nicht alle Hürden genommen. Denn die vorangegangene Explosion ist nicht der einzige Rückschlag, den die Verantwortlichen im Zuge dieser Mission einstecken müssen.
Spannend und basierend auf wahren Begebenheiten erzählt der Film vom historischen Rennen zwischen den USA und der UdSSR um den ersten Weltraumspaziergang, von technischen Meisterleistungen und Notlösungen, von Hingabe und Freundschaft. Die Hauptfiguren werden glaubwürdig und wunderbar dargestellt. Das mag daran liegen, dass der echte Alexei Leonov, inzwischen 85 Jahre alt, den Filmschaffenden als Berater zur Seite stand.

Wir gedenken mit dem Film Alexei Archipowitsch Leonov, der am 11.10.2019 verstorben ist.

am 13.11. 19:30 Uhr
Kleine Filmakademie - Vortrag mit Filmausschnitten „Osteuropäische Blockbuster“

im Anschluss der Film

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