Dresdner Premieren und Previews
Eine Reise durch Osteuropas Humorlandschaft
Sonderveranstaltungen
Kinder-/Familienfilm
In Zusammenarbeit mit den Tschechisch-Deutschen Kulturtagen Dresden 2018

Achtung - nur Sonntag, 28.10. 20:00 Uhr

Die Lehrerin
(Učitelka)
Slowakei/Tschechien 2016, 102 min, OmU, Regie: Jan Hřebejk

Bratislava in den 1980er Jahren: Ein neues Schuljahr und eine neue Klasse bieten für die Lehrerin und lokale Parteivorsitzende Mária die Gelegenheit, sich durch das Prinzip „eine Hand wäscht die andere“ das Leben noch ein Stückchen leichter zu machen. Was ist schon daran verwerflich, wenn eine Mutter ihr die Haare umsonst frisiert oder ein Taxi fahrender Vater sie gelegentlich chauffiert? Schließlich bekommen die Kinder dafür gute Noten. Irgendwann aber reicht es einigen Eltern und sie versuchen, die Klassenzimmer-Despotin zu stürzen.
Der oscarnominierte Jan Hřebejk erzählt eine Alltagskomödie über alltägliche Korruptionen, Machtmissbrauch im Kleinen und die moralischen Grenzen der Hilfsbereitschaft. Schauspielerin Zuzana Mauréry wurde für ihre Rolle in Karlovy Vary ausgezeichnet.

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In Zusammenarbeit mit den Tschechisch-Deutschen Kulturtagen Dresden 2018

Achtung - nur Freitag, 09.11. 20:00 Uhr

Ice Mother
(Bába z ledu)
Tschechien/Slowakei 2017, 105 min, OmU, Regie: Bohdan Sláma

Seit Hana Witwe ist, lebt sie allein in der großen Villa am Rande der Stadt. Ihre Tage reihen sich bedeutungslos aneinander, einzig die wöchentlichen Besuche ihrer beiden Söhne sind ein Lichtblick in ihrem tristen Ruhestand – auch wenn jedes der Treffen im Streit endet. Ihr Leben ändert sich schlagartig, als sie an einem kalten Wintertag den Eisschwimmer Broňa vor dem Ertrinken rettet. Eine innige Romanze entspinnt sich zwischen den beiden älteren Menschen, und Hana entdeckt zudem eine neue Leidenschaft: das Eisschwimmen.
Eine herzerwärmende Tragikomödie über die Tücken des Alterns und zugleich die Erkenntnis, dass es nie zu spät ist, neue Wege zu gehen. Bohdan Sláma („Wilde Bienen“, „Jahreszeit des Glücks“, „Der Dorflehrer“) ist mit „Ice Mother“ einer der beliebtesten Filme des letzten Jahres in Tschechien gelungen.

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50 JAHRE 1968 Die Filme des Prager Frühlings

Der Prager Frühling war 1968. Bei den tschechischen Filmen begann die Veränderung schon etwas eher. Es war keine politische Bewegung, sondern eher eine cineastische. Francois Truffaut, Jean-Luc Godard und andere hatten sich Anfang der 60er mit der Nouvelle Vage vom traditionellen Kino abgewandt und streitbare Inhalte in neuen Formen präsentiert. Wenig später begaben sich die Autorenfilmer der BRD unter dem Motto „Opas Kino ist tot“ auf ähnliche Wege. Auch in der DDR entstanden Mitte der 60er Filme mit kritischem politischen Anspruch und eigenwilliger Gestaltung. Dies führte jedoch zum Verbot fast eines gesamten Jahrgangs der DEFA-Filmproduktion. Das blieb natürlich auch nicht ohne Auswirkungen auf die CSSR. Doch dort lief das alles etwas anders. Die berühmtesten Vertreter dieser Ära, Milos Forman und Vera Chytilova konnten ihre bedeutenden Frühwerke („Der schwarze Peter“ 1964, „Tausendschönchen“ 1966) vollenden, ins Kino bringen und internationale Preise einsammeln. Erst 1968 wurden sie und ihre Filme als antisozialistisch eingestuft und – wie die Filme vieler anderer Regisseure – des Landes verboten. Einige der Filmschaffenden wanderten aus, andere blieben und fanden mit vielen schönen Märchenfilmen ihre Beschäftigung.
Darüber mehr und dazu viele Filmausschnitte gibt es in der Filmakademie am 14.11.2018 19:30 Uhr, in deren Anschluss „Der Leichenverbrenner“ läuft.

Der Leichenverbrenner
(Spalovač Mrtvol)
Tschechoslowakei 1968, 96 min, OmU, Regie: Juraj Herz

SPrag Ende der 1930er Jahre. Karl Kopferkingl führt ein perfektes Leben. Er liebt seine Arbeit innig und kümmert sich um seine Familie ebenso fürsorglich wie um die Toten, die er täglich einäschert. Doch als ihm ein alter Freund von einer Partei erzählt, die gerade in Deutschland große Erfolge feiert, stellt sich für ihn plötzlich die Frage, ob er wirklich schon genug Erlösungsarbeit geleistet hat. Beiläufig schleicht sich der Schrecken in Juraj Herz‘ Film an. Doch das Monströse hinter der Fassade des Biedermanns kommt plötzlich und knallhart. Eine bitterböse Parabel über Faschismus, Mitläufertum und Opportunismus, die einem nicht wieder aus dem Gedächtnis geht. Und ein fünfzig Jahre alter Film, der aktueller kaum sein kann.

Dokumentarfilm: Soviet Hippies
(Nõukogude lillelapsed)
Estland/Deutschland/Finnland 2017, 85 min, OmeU, Regie: Terje Toomistu

Ein wilder Flowerpower-Ritt auf den Spuren der sowjetischen Hippiebewegung nimmt uns mit in den psychedelischen Untergrund der 1970er Jahre. Auf der Suche nach Freiheit und Glück unter dem Druck des politischen Regimes schuf eine bunte Gruppe von Künstlern, Musikern, Freaks, Vagabunden und anderen langhaarigen Systemverweigerern ihre eigene Subkultur in der Sowjetunion.
Viele Jahre später begibt sich eine Gruppe exzentrischer Hippies aus Estland auf die Reise nach Moskau. Dort findet jährlich am 1. Juni bis heute ein Hippiefest statt, welches an die tragischen Vorfälle von 1971 erinnert, als tausende Hippies vom KGB festgenommen wurden.
Der Dokumentarfilm wirft ein Licht auf einen weitestgehend unbeachteten Strang der Geschichte Osteuropas und erzählt von dem immensen kreativen Potential, welches sich im Schatten des totalitären Regimes entwickelte. Es ist die Geschichte einer explosiven Untergrund-Gegenkultur, die ein etwas anderes Licht auf das wirft, welches herkömmlich als „die Hippie-Kultur“ oder die sowjetische Ära verstanden wird. Der Film hinterfragt das Funktionieren von Macht und die „Politik der Ekstase“, die Fragen nach Freiheit und Selbsterfüllung. Ist Freiheit eine soziale Kategorie, die sich nach außen richtet und durch Protest und aktives Engagement realisiert wird? Oder geht es eher um einen inneren Prozess, eskapistisch und einsam, einen spirituellen Weg?

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Sibiriade
(Сибириада)
  UdSSR 1979, 199 min, dt. Fassung, Regie: Andrej Michalkow-Kontschalowski

Am Schicksal zweier verfeindeter Familien im tiefsten Sibirien entspinnt sich eine monumentale Erzählung, eng mit der Geschichte Russlands von der Zarenzeit bis in die 1970er Jahre verknüpft. Politik, Poesie, Liebe, Gewalt, Hass, Opfermut – ein aufwühlendes, bildgewaltiges Epos.
In der Filmpause gibt es ein deftiges russisches Frühstück.

So. 18.11. – 11:00 Uhr   Eintritt Film mit Frühstück: 15 €  - Bitte vorbestellen!